Sie malen wieder!

Dies war der Titel der Südtiroler Tageszeitung über die jungen Kunstschaffenden die gerade eben in der Bruckner Kunstgalerie prawneg&wolf exponieren. Vier junge Südtiroler, alle um die 20, die sich mit dem Thema der Ausstellung auf ihre (wie könnte es für Künstler anders sein) ganz eigene Weise auseinander setzten  „Why should I be original?“ War nicht alles schon mal da? Ist nicht alles nur eine ewige Interpretation von bereits Bestehendem? Schließlich kann man das Rad nicht nochmals erfinden. Aber: geht es darum? Was definiert Originalität? Und: ist das überhaupt wichtig? Wieso denn? Die Antwort fällt bei den jungen Wilden natürlich sehr ironisch aus: Ausstellung höchste Priorität, Möglichkeit Identität Plattform, Original scheiß egal. Zu sehen sind Arbeiten von Johannes Bosisio, Elisa Alberti, Maxi Erlacher und Anna Rubner. Und überrascht darf man dabei feststellen: ja sie malen wieder die jungen Leute! Großformatig, skurril, voller Phantasie und Enthusiasmus.

Beeindruckend fand ich vor allem das Bild von Johannes Bosisio dass an Kafkas Metamorphose erinnert, ein Knäuel aus Gliedmaßen und Körpern die sich gegenseitig verschlingen, ineinander und auseinander wachsen, eine Mutation zeigen die das bereits Existierende annulliert, es transformiert und etwas Neues erschafft. Ein Wesen das einen vielleicht entsetzten könnte, als reines Objekt betrachtet, aber wenn man den Entstehungsprozess als solchen betrachtet wirkt es auf mich trotz des Gewirrs von Körperteilen und einzelnen Gliedmaßen sehr beruhigend. Denn trotz allem ist sein Entstehungsprozess sehr menschlich, unterm Strich wird ja jedes Wesen so geschaffen, durch ein Knäuel von Gliedmaßen und eigentlich auch durch und vor allem dank eines mutierendes Körpers. Und vielleicht scheint das Kunstwerk gerade weil gemalt trotz aller Mutation und Skurrilität noch menschlicher. Und überhaupt: ist nicht alles eine Mutation, ein sich immer bewegender Strom, ein ewiger Prozess, eine nie endende Sinus Kurve? Wieso sollte es bei der Kunst selbst anders sein? Ist sie doch Teil des Ganzen, des Menschlichen.

Fakt ist, dass ich beim Betrachten des Gemäldes über Grenzfragen der Identität und über das Leben an sich sinniere und das überrascht mich dann doch irgendwie. Wenn mir ein knapp 20jähriger etwas zeigt das ich noch nie so betrachtet habe, kann ich nicht anders als den Kopf schief legen, grinsen und mich darüber glücklich wundern. Und dann denke ich mir “Gott sei Dank, sie malen wieder, die jungen Leute.”

Termin: Bis Mitte Oktober in der Galerie prawneg & wolf in Bruneck (Romstraße 1) www.prawnegandwolf.com. 

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